Mina K.
Zwischen zwei Welten

CSD Köln (6. Juli 2025)

Eigentlich sollte der CSD in Köln dieses Jahr richtig toll werden: Jane, Katie, Tatjana, Connie, Mary, Pavlos und ein Freund von Pavlos hatten zugesagt, mitkommen zu wollen. Jane, Katie und Tatjana wollten sogar schon am Samstag hin und haben mich gefragt, ob ich nicht mitkommen möchte. Leider ging das nicht, weil wir an dem Tag unsere jährliche erweiterte Familienzusammenkunft hatten. War auch nett, aber hier nicht das Thema.

Doch am Ende kam alles ganz anders: Bis auf Pavlos Freund Philipp haben alle kurzfristig abgesagt. Jane meinte per WhatsApp, sie hätten verschlafen. Pavlos rief mich am Samstagmorgen an und erzählte was von anderen spontanen Plänen. Nur Philipp tauchte zum verabredeten Zeitpunkt am Dortmunder Hauptbahnhof auf und so kam es, dass wir nur er, meine Frau mit dem Zug nach Köln fuhren.

Es war bereits nach 15 Uhr als am Kölner Hauptbahnhof ankamen. Aber bei der Einfahrt in den Bahnhof konnte ich sehen, dass immer noch Umzugswagen am Startpunkt auf der Deutzer Brücke standen, was bei der Größe der Parade mit mehr als 60000 Teilnehmern, 250 Gruppen und 90 großen Wagen kein Wunder war. Leider hatte es angefangen zu regnen, zwar nicht sehr stark, aber dennoch genug um nass zu werden. Philipp hatte noch nicht einmal eine Jacke dabei, geschweige den einen Regenschirm. Aber schon auf dem Weg zur Parade merkten wir, dass er hauptsächlich darauf aus war, Pfandflaschen und -dosen zu sammeln, und der CSD für ihn eher Nebensache war.

Aber zumindest meine Frau und ich machten das Beste daraus. Wir hatten in ausreichender Menge Alkohol dabei und erfreuten uns an den bunten Wagen, der lauten Musik, und den verteilten Geschenken. Wir tanzten und ließen uns treiben  während Philipp nach leeren Getränkedosen Ausschau hielt und alles einsammelte, was nicht bei drei auf den Bäumen war.

Irgendwann lernten wir unter den Zuschauern zwei Spanier kennen. Wir quatschten kurz auf englisch, lachten viel, tranken gemeinsam, verloren uns dann aber im Getümmel wieder aus den Augen.

Ich weiß nicht genau, wie lange wir dort standen. Als wir ankamen, fuhr gerade Gruppe 41 an uns vorbei. Nach Gruppe 150 hatten wir vorerst genug und gingen weiter Richtung Heumarkt. Unterwegs trafen wir auf ein paar junge Männer mit einer Kiste Bier. Sie hatte keine Lust mehr, die Kiste weiter zu schleppen. Jeder von ihnen nahm sich noch ein Bier und sie überließen uns den Rest. Wir bedankten und bedienten uns, doch es war auch für uns zu viel. Die Jungs zogen weiter. Ich rief "Freibier!" und konnte dadurch eine Gruppe von fünf Mädels in Regenbogenfarben anlocken, eine davon noch minderjährig. Wir teilten unser Freibier, quatschten ein wenig und gingen anschließend gemeinsam weiter.

In der Zwischenzeit hatte ich Christopher aus Frankfurt, den ich letztes Jahr bei der ColognePride zufällig kennen gelernt hatte, per WhatsApp kontaktiert. Er war auch gerade in Köln. Mittels per Google Maps geteiltem Standort trafen wir ihn schließlich am Alter Markt. Die Wiedersehensfreude war groß und wir fielen uns wie alte Freunde in die Arme. Dann stellte ich ihm meine Frau vor und entschuldigte mich direkt, denn ich musste dringend pinkeln. In der Nähe war ein Klowagen und ich verschwand kurz für kleine Mädchen.

Als ich zurück kam, saß Christopher mit meiner Frau an einer Bierbank. Beide waren in ein Gespräch vertieft Ich setzte mich dazu und wurde von ein paar Ukrainern angequatscht, die direkt daneben saßen. Sie konnten weder Deutsch noch Englisch, aber Französisch und Italienisch! Das Gespräch war also… kreativ.😉

Leider musste Christopher schon kurz nach unserem Wiedersehen aufbrechen, m seinen Zug nach Frankfurt zu erreichen und so kam viel zu früh der Abschied, der nicht weniger herzlich, als die Begrüßung ausfiel.

Wir hatten allmählich Hunger und gingen ins nahegelegene Café Extrablatt. Philipp wollte nicht mitkommen, was angesichts seiner finanziellen Lage nicht überraschend war. Wir verabschiedeten uns von ihm und ließen ihn ziehen. Nachdem wir uns satt gegessen hatte, machten auch wir uns gegen viertel vor Zehn auf den Heimweg.

Alles in allem war es toller Tag, wenn auch nicht ganz so spaßig im letzten Jahr. Philipp ist ja ein netter Kerl, aber er war nicht wirklich zum Feiern hier und das hat man gemerkt. Mit Jane, Katie, Tatjana, Connie und Mary wäre es bestimmt lustiger und auch später geworden.🤷‍♀️


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