CSD "RuhrPride" Essen (2. August 2025)
Dem diesjährigen CSD in Essen fieberte ich schon seit Wochen entgegen. Wie im letzten Jahr, war ich auch heute wieder offiziell Teil der Laufgruppe meines Arbeitgebers. Wir hatten als Gruppe neue blaue T-Shirts drucken lassen. Vorne war das diesjährigen RuhrPride-Motto "Schicht im Schacht für Intoleranz" und hinten unser LGBT*IQ-Community-Logo aufgedruckt. Die Wetteraussichten waren durchwachsen, daher trug ich ausnahmsweise mal einen langen Rock aus Silber/metallic gefärbtem Jeansstoff über meiner regenbogenfarbenen Netzstrumpfhose und meinen Opentoe-Keilstiefeletten aus blauem Jeansstoff. Außerdem hatte ich meine kurze Jeansjacke in Türkis/metallic, einen Taschenschirm und einen Notfall-Regenponcho aus transparenter Plastikfolie für den Fall des Falles dabei.
Meine Frau und ich schafften es, pünktlich am Aufstellort neben den Grugahallen anzukommen. Auf dem Parkplatz trafen wir meine Arbeitskollegin. Als eine der führenden Vertreterinnen der firmeninternen Queer-Community war sie die erste, der gegenüber ich mich vor fast zwei Jahren geoutet hatte. Wir begrüßten uns und gingen gemeinsam zu unserer Gruppe.
Unterwegs trafen wir überraschenderweise auf Christel, die Ordnerin bei der RuhrPride war. Während wir noch plauderten, ging Michaela alleine weiter. Wir hatten Christel ja ewig nicht gesehen, nachdem sie sich aus unserer Burgtor-Clique zurückgezogen hatte. Wir gingen weiter, als sie einen Funkspruch bekam und woanders hin musste.
Kurz darauf erreichten wir unsere Gruppe. Glücklicherweise hatten wir dieses Jahr, anders als bei letzten Mal, vorgebrandete Giveaways in Form von Blumensamen und Dextro-Energen, die wir nicht noch mühsam mit Aufklebern versehen mussten. Dadurch blieb Zeit für den einen oder anderen Smalltalk.
Mit Musik und guter Stimmung setzte sich der Tross relativ pünktlich in Bewegung. Das Wetter war soweit stabil und es blieb trocken. Wir verteilten unsere Geschenke an die umstehenden Passanten, was für mich wieder ein großer Spaß war. Und rückblickend betrachtet ein großer Schritt, wenn man bedenkt wie schüchtern ich als Mina noch vor ein paar Jahren war, wenn ich Kontakt zu anderne Menschen hatte. Heute wünschte ich Hunderten eine "Happy Pride" während ich ihnen unsere kleinen Geschenke in die Hand drückte, blickte zu 99,9% in freundliche Gesichter und fühlte mich großartig dabei. Eine Kollegin meinte später, sie war von meinem Einsatz schwer beeindruckt. Scheinbar hatte ich mehr verteilt, als jede*r andere. Ich musste auch gut ein halbes Dutzend Mal an unser langsam vorausfahrendes Begleitfahrzeug, um meine Vorräte aufzufüllen. Ich bin schon gespannt auf die Bilder, die unsere Fotograf die ganze Zeit unterwegs gemacht hatte.
Die zwei Stunden Fußmarsch bis zum Kennedyplatz vergingen für mich wie im Flug. Dort sammelten wir uns kurz für ein letztes Gruppenfoto. Anschließend war jeder frei, seiner Wege zu gehen. Die Gruppe löste sich relativ schnell auf und nur ein "harter Kern" blieb zurück. Wir verbrachten einige Zeit auf dem Straßenfest, schauten uns die Stände an und kümmerten uns um unser leibliches Wohl.
Kurz darauf trudelten Maryon und Jacqueline ein, die wir dank freigegebener Google Maps-Standorte schnell in der Menschenmenge fanden. Zu dem Zeitpunkt waren nur noch wenige Arbeitskollegen da und ich stellte alle kurz einander vor. Von da an war ich immer ein wenig zwiegespalten, denn ich wollte sowohl Zeit mit meinen Arbeitskollegen (Marco, Tokey, und irgendwann tauchte auch Michaela wieder auf) verbringen, als auch mit meinen Freundinnen, die ja gerade erst angekommen sind. Das war manchmal ein bisschen blöd, aber was will man machen, wenn man so beliebt ist?🤷♀️😉
So kam es, dass bei einem erneuten Rundgang auf dem Kennedyplatz mit Maryon und Jacqueline sich sogar meine liebe Kollegin Michaela anschloss, was mich sehr freute. Während ich mich mir ihr unterhielt, begegneten wir einem Bekannten aus dem RheinRuhr-Netzwerk und Michaela stellte uns einander vor. Daraus wurde schnell ein längeres Gespräch. Meine Frau, Maryon und Jacqueline warteten und wurden langsam ungeduldig. Als wir nach dem Gespräch zu den anderen aufschlossen, bog Jacqueline spontan in die Fußgängerzone ab. Da verließ Michaela unsere Gruppe wieder, denn auf Shoppen hatte sie keine Lust. In diesem Moment entschied ich mich dazu, bei meiner Frau und meinen Freunden zu bleiben, obwohl ich im Nachhinein betrachtet lieber bei Michaela geblieben wäre. Jacqueline und Maryon hatten am Ende jede Menge Einkaufstüten in den Händen und meine Frau fand ein Paar Schuhe. Ich ging, abgesehen von zwei Regenbogen-Strumpfhosen, leer aus.
Nach dem Shopping-Trip hatten wir Hunger und suchten das Café Extrablatt am Kennedyplatz auf. Von dort hatten wir zwar keine freie Sicht zur Bühne, konnten aber zumindest die Musik hören. Nach einer Stärkung mischten wir uns wieder unter die Leute beim Straßenfest. Die Musik-Acts wurden im Laufe des Abends immer besser. Maryon und ich tanzten viel.
Von meinen Arbeitskollegen waren nur noch Marco und Tokey da. Tokey, der eigentlich aus England kam und gerade zufällig beruflich in Essen weilte, war begeistert von der guten und lockeren Stimmung hier. Er erzählte, dass die Leute bei der London-Pride zwar tolerant, aber dennoch weniger offen waren.
Gegen halb zehn gingen meine Frau und ich zur nächstgelegenen U-Bahn-Station um zurück zur Grugahalle zu fahren, wo unser Auto stand. Wie vor einer Woche nach dem CSD in Duisburg fuhr mich meine Frau noch zum Burgtorclub. Sie selbst hatte keine Lust, den Abend dort ausklingen zu lassen.
Was dort passiert ist, habe ich als 43. Besuch im Burgtorclub zu Protokoll gegeben.
weiter mit CSD Dortmund (15. August 2025)