Prout at Work-Konferenz 2025 (21.-22. Oktober)
Im Rahmen meiner Tätigkeit im LSGBT*IQ-Netzwerk meines Arbeitgebers nahm ich an der diesjährigen Prout at Work-Konferenz in Ingolstadt teil. Aufgrund der großen Entfernung gönnte ich (und mein Chef😉) mir dafür je einen extra Tag für die An- und Abreise. Das war auch gut so, denn sowohl bei der Hin- als auch bei der Rückreise mit der Deutschen Bahn gab's reichlich Verspätungen.
Montag, 20. Oktober 2025
Am Montag reiste ich noch primär als Mann, vielleicht abgesehen von meinen langen pinkfarbenen Fingernägeln, meinen langen Haare, meiner sehr femininen Brille vom Punker aus Bottrop, einem rosa-weiß-gestreiften Damenstrickpullover und meinen relativ flachen Damenslippern mit Goldrand und Leopardenmuster. Das war mittlerweile in meiner genderfluiden Weiterentwicklung ein normales Alltagsoutfit für mich. Mein Hotel Roomreich erreichte ich am späten Nachmittag. Ich wollte den ersten Tag nutzen, um wenigstens ein bisschen was von Ingolstadt zu sehen. Daher hielt ich mich nicht lange im Hotel auf und nahm den nächsten Bus in die Altstadt. Bis ich dort ankam, ging bereits die Sonne zusammen mit meinen Sightseeing-Plänen unter.🌇
Viele lokale Geschäfte hatten schon geschlossen aber ein paar größere Ketten hatten noch eine knappe Stunde auf und so machte ich mich auf zu einer kleinen Shoppingtour, unter anderem bei TK Maxx, Primark und REWE (zugegebenermaßen nicht sehr originell in einer fremden Stadt, aber was will man machen🤷♀️).
Abgesehen von ein paar Hygiene-Artikeln sowie Snacks und Getränken für mein Hotelzimmer wurde ich aber nicht fündig. Die Ingolstädter Frauen haben scheinbar kleinere Füße.🦶🤏😉
Ich ging dann noch zu Papa Joe's, denn ich hatte ja den ganzen Tag noch keine anständige Mahlzeit. Nach drei Tacos, einem Bier und einen leicht scharfen selbstgemachten mexikanischen Shot aufs Haus fuhr ich mit dem Bus wieder zurück in mein Hotel. Ich lieferte kurz meine Sachen ab und machte mit einem Joint in der Tasche noch einen kleinen Spaziergang zum Audi Forum, wo die Konferenz stattfinden sollte, um mich schon mal ein wenig zu orientieren.
Um kurz vor halb elf war ich wieder in meinem Hotelzimmer und sehnte mich nach einer entspannenden, heißen Dusche. Aber zuvor probierte ich noch meinen neuen Belle Body-Enthaarungsschaum aus. Das Ergebnis war gut, doch bei der Anwendung hatte ich Schwierigkeiten, denn der Schaum blieb nicht überall haften. Aber ich schätze, dass war mein Fehler, denn ich hatte wohl die Anwendungshinweise nicht richtig gelesen.
Immerhin war ich anschließend an allen sichtbaren und an ein paar unsichtbaren Stellen haarfrei und konnte endlich duschen. Anschließend versuchte ich mich noch die Haare aufzudrehen oder einzulegen, hatte aber nur mäßigen Erfolg. Der Lockenstab, den ich dabei hatte, funktionierte auf einmal nicht und für die YouTube-Videos, die meine Frau mir nach einem Hilfeschrei meinerseits per WhatsApp geschickt hat, habe ich mich wohl zu dumm angestellt.🤪
Ich habe dann einfach aufgegeben und das Problem auf morgen vertagt. Da hatte ich vormittags genug Zeit, um mich ordentlich zu stylen, denn auf der Konferenz wollte ich ausschließlich als Mina teilnehmen.
Dienstag, 21. Oktober 2025
Gestern war ein anstrengender Tag, daher war heute ausschlafen angesagt. Frühstück gab's bis zehn und das nutzte ich aus. Nachdem ich mich ausreichend gestärkt hatte, hatte ich gut vier Stunden Zeit, mich fertig zu machen. Das reichte, um die Haarprobleme von gestern zu lösen und mich auch sonst angemessen zu stylen.
So richtig los ging die Konferenz erst morgen. Dafür hatte ich bereits ein bürotaugliches Outfit vorausgewählt. Heute sollte es informeller werden und in einer Abendveranstaltung enden, daher wollte ich mehr Farbe zeigen in Form eines Bleistiftrocks in Bordeaux und eines langärmeligen Tops in Indigo, beides recht figurbetont. Dazu eine dünne schwarze Thermostrumpfhose für schöne Beine und meine flachen Damenslipper. Mein langer schwarzer Mantel und meine pinkfarbene Handtasche waren natürlich auch am Start.
Auf dem Weg zum Audi-Forum gönnte ich mir eine Zigarette zur Beruhigung, denn zum ersten Mal nach langer Zeit verspürte ich mal wieder eine gewisse Nervosität und bekam feuchte Hände. Ich betrat Neuland, indem ich zum ersten Mal in Form meiner weiblichen Persona in halb-offizieller Funktion als Vertreter*in meines Arbeitgebers auf Firmenkosten eine Dienstreise zu einem Kongress machte. Ein bisschen aufgeregt war ich schon, aber die Neugier und Vorfreude auf die bevorstehenden Ereignisse überwiegte.
Zunächst musste ich zur Akkreditierung, wo mir ein Schlüsselband mit Namensschild ausgehändigt werden sollte. Nun passte aber der (männliche) Name, den ich bei meiner Anmeldung angeben musste, nicht zu meinem aktuellen gewählten Namen. Ich musste das aber nur kurz erläutern und bekam ohne Diskussionen ein Blankoschild zur eigenen Beschriftung. Alles andere hätte mich bei einer queeren Konferenz aber auch sehr gewundert.🏳️🌈💖
Ich verspürte großen Durst und sprach eine sympathisch lächelnde Frau vom Betreuungsteam an, die sich als Michaela vorstellte und mir sogleich etwas aus ihrem Team-Vorrat überlies, denn das offizielle Catering begann erst später. Da ich noch etwas Zeit hatte, plauderte ich mit ihr.
Mein erster Termin an diesem Tag war eine sehr interessante, gut einstündige Werksführung bei Audi. Im Anschluss folgte die offizielle Begrüßung, diverse interessante Podiumsdiskussionen und Preisverleihungen. Die Veranstaltung wurde unter anderem von Kira Alin moderiert, die man aus dem Fernsehen (zuletzt bei ProSieben Newstime), kennt. Zwischendurch hatte ich Gelegenheit, ein paar persönliche Worte mit ihr zu wechseln. Überhaupt habe ich in den Pausen zwischen den offiziellen Programmpunkten viele nette Leute kennen gelernt und interessante Gespräche geführt, unter anderem mit Frank, der die Konferenz mit seiner Kamera dokumentierte. Abgerundet wurde der Abend durch ein Business-Speed-Dating (das ich leide verpasst habe), ein queeres Pubquiz (mein Team "Mausi-Pussy" landete am Ende nur im Mittelfeld) sowie einem Konzert der Audi Big Band und Christina Jung (bei dem ich viel mit Uta aus Berlin getanzt und deshalb auch das Speed-Dating verpasst habe 🤷♀️). Zu später Stunde spazierte ich auch mal mutterseelenallein durch das gesamte Audi-Museum in den Stockwerken über uns, und sah mir die Exponate an. Das eine oder andere Gläschen Audi-Wein versüßte mir den Abend. Zum Glück gab's ein tolles Catering für eine gute Grundlage.🥂
Um 23 Uhr war die Veranstaltung vorbei und irgendwie fand ich mich bei Samet Akti (Diversity & Inclusion Manager bei Zalando) wieder, der oder die (Samet akzeptiert beide Pronomen) einen der heutigen Programmpunkte (eine Town Hall-Diskussion zum Thema Allyship) geleitet hatte. Wir wohnten im gleichen Hotel und Samet wollte nicht laufen. Ich sagte zwar, es seinen nur zehn Minuten von hier, aber Samet wollte trotzdem lieber mit dem Bus fahren, obwohl er/sie keinen gültigen Fahrschein hatte. Wir mussten eine Zigarettenlänge auf den Bus warten und die anschließende Busfahrt dauerte knapp zehn Minuten. Aber das gab mir die Gelegenheit, Samet abseits von der großen Bühne ein bisschen besser kennen zu lernen. Samet war sehr offen und authentisch und zeigte dabei auch ein paar andere überraschende Seiten von sich selbst, was ihn/sie mir direkt noch sympathischer machte.
Im Hotelzimmer angekommen legte ich mein Goodie-Bag von der Konferenz ab, und machte noch einen kurzen Spaziergang mit einem Joint. Den hatte ich mir ja eigentlich für den Heimweg aufgespart und hätte ihn auch mit Samet geteilt, aber nun ja.🤷♀️
Einige Konferenzteilnehmer hatten es sich mit ein paar alkoholischen Getränken aus dem Hotelautomaten in der Lobby gemütlich gemacht. Ich erkannte zwar einige Gesichter, hatte aber mit keinem von ihnen näheren Kontakt. Ich setzte mich dennoch kurz dazu, konnte mich aber nicht wirklich in die Gruppe integrieren. Außerdem war der Getränkeautomat bereits abgeschaltet und gab nichts mehr her. Als zwei Personen aufstanden, um draußen eine Zigarette zu rauchen, zögerte ich nicht und schloss mich ihnen an.
Nach einem interessanten Gespräch auf de Couch vor dem Hotel, kam ein Hotelangestellter und meinte, wir wären zu laut. Damit meinte er vermutlich eher die anderen in der Hotellobby. Aber so oder so war die Party vorbei und wir wünschten uns eine gute Nacht.
Bevor ich ans Schlafen denken konnte, gönnte ich mir zunächst eine heiße Dusche sowie etwas Körper-, Haar- und Gesichtspflege. Ich versuchte ein weiteres Mal, meine Haare irgendwie aufzudrehen und war diesmal mit einer Feinstrumpfhose einigermaßen erfolgreich. Zumindest war es gut genug, dass ich damit schlafen gehen konnte und am nächsten Tag tatsächlich ein paar Locken mehr hatte.👩🦱
Mittwoch, 22. Oktober 2025
Heute fing die Konferenz bereits um neun Uhr an und damit deutlich früher, als gestern, so dass ich zeitig aufstehen musste, damit ich mich fertig machen konnte, ein kurzes Frühstück einnehmen und zum Audi-Forum laufen konnte.
Für heute wollte ich einen etwas formaleren und bürotauglichen Look ausprobieren und zog zu einem weißen Blusen-Body einen eleganten grauen Bleistiftrock an. Dafür gönnte ich mir ein wenig Bling-Bling in Form von Hängeohrringen, denn ganz ohne Glitzer kann ich nicht.
Beim Frühstück traf ich Uta wieder und sie setzte sich zu mir an den Tisch. Anschließend gingen wir gemeinsam den kurzen Weg zum Audi-Forum. Der Kongresstag begann wieder mit einer Begrüßung und weiteren Programmpunkten auf der Bühne. Später gab es dann noch sogenannte Breakout-Sessions, bei denen die Teilnehmer in kleineren Gruppen über ein Thema fachsimpeln. Natürlich gab es in den Pausen wieder Catering und reichlich Gelegenheit, die Kontakte von gestern aufzufrischen.
So traf ich auch mein Pubquiz-Team "Mausi-Pussy" wieder, das aus Michaela von DB Regio, ihrer Partnerin, die Theaterschauspielerin war, und mir bestand. Wir unterhielten uns und vernetzten uns per LinkedIn. Auch die nette Dame vom Betreuungsteam, deren Namen ich leider vergessen hatte, lief mir das eine oder andere Mal über den Weg und wir wechselten immer wieder ein paar nette Worte. Aber am meisten ist mir Ute aus Berlin ans Herz gewachsen. Wir waren in vielen Belangen auf einer Wellenlänge, zum Beispiel
- der traurige Absturz von IBM in den 90er Jahren (Ute war dort angestellt und ich habe viel mit IBM-PCs und sogar IBM Mainframes gearbeitet)
- eine Vorliebe für Sciene Fiction
- die Frage, ob Star Trek oder Star Wars besser ist
- und natürlich die Freude am Feiern mit Musik, Tanz und Wein🥳🎶💃🍷
Im Marktrestaurant im Audi Forum gab es ein kostenlosen Mittagessen. Als ich mit meinem Tablett in der Hand auf der Suche nach einem freien Sitzplatz war, winkte mich die "Rolling Queen" Sabina Ahmed herbei und bot mir an, sich zu ihr und ihrer Schwester zu setzen, die als ihre Betreuerin eingesprungen ist. Ich kannte sie schon von der gestrigen Town Hall-Diskussion und schätzte es sehr, nun persönlich mit ihr sprechen zu können. Sie ist sehr sympathisch und schafft es mit Leichtigkeit und viel Humor, auch schwierige Themen wie Inklusion zu vermitteln. Nach dem Essen traf ich sie in meiner zweiten Breakout-Session erneut wieder, wo sie einen Podcast live vor Publikum aufnahm.
Nach der Verabschiedung und dem Ende des offiziellen Teils der Veranstaltung,
gab es noch eine kostenlose Filmvorführung von
TRON: Ares im Originalton
mit deutschen Untertiteln. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen, der
Film kam erst vor ein paar Tagen heraus. Auf dem Weg zum
Audi
Programmkino hörte ich plötzlich Uta nach mir rufen. Das Kino war noch
nicht geöffnet und sie saß mit ein paar anderen in der Audi Cocktailbar
bei ein paar Drinks, um auf den Beginn der Vorstellung. Ich setzte mich
dazu und Uta lud mich auf einen Aper-Fall Spritz ein. Erst zierte ich mich,
ging dann aber doch auf ihr Angebot ein. Sie schien mich genauso zu mögen,
wie ich sie und später im Kino saßen wir nebeneinander.
Nach Ende des Films gingen wir gemeinsam zurück ins Hotel Roomreich. Sie wollte sich einen ruhigen und entspannten Fernsehabend machen und wir verabschiedeten uns bis morgen, wo wir uns sicher beim Frühstück wiedersehen würden. Genau wie ich hatte sie nämlich auch vor, so lange wie möglich auszuschlafen.
Rastlos wie ich war, blieb ich nur kurz im Hotel, frischte mein Make-Up auf und ging zu einem nahegelegen Restaurant namens Antica Italia, wo ich mir Penne Arrabiata und eine Karaffe Frizzantino gönnte, sowie auf dem Rückweg meinen letzten Joint.
Zurück im Hotel war Kofferpacken angesagt. Ich legte mir für morgen eine gemütliche Damenjeans und einen pinkfarbenen Pullover raus und packte den Rest schon mal ein. Ein paar Sachen würde ich jedoch noch brauchen, denn anders als die Hinfahrt, wollte ich die Rückfahrt als Mina antreten. Ich probierte nach dem Duschen sogar eine weitere Einlegetechnik aus und benutzte diesmal ein Paar Socken.
Donnerstag, 23. Oktober 2025
Ich hatte gut vorgeplant und ging um 9:30 gestylt und geschminkt zum Frühstücksbuffet. Auf dem Weg sah durch die Fenster Utas Wagen noch dort stehen, wo sie ihn geparkt hatte. Sie war also noch da, doch leider traf ich sie nicht beim Frühstück, obwohl ich bis zehn Uhr dort auf sie wartete, bis das Essen abgebaut wurde. Ich ging zurück in mein Hotelzimmer, stopfte die letzten Reste in meinen Koffer und ging zur Rezeption zum Auschecken. Doch da war Utas Wagen auf einmal verschwunden. Das machte mich sehr traurig, denn ich hätte mich so gerne von ihr verabschiedet. Ich hatte auch versäumt, sie nach ihren Kontaktdaten zu fragen, was ich nun sehr bedauerte.😢
Nichtsdestotrotz checkte ich aus und bezahlte die Hotelrechnung mit meiner Kreditkarte. Das Geld musste ich mir später über die Reisekostenabrechnung von meinem Arbeitgeber zurückholen. Mit dem nächsten Bus fuhr ich zum Hauptbahnhof Ingolstadt. Während der Fahrt sprach mich eine ältere Dame an, die gerade zugestiegen war, und bat mich für sie ein Kurzstreckenticket beim Fahrer zu lösen. Ich nahm das hingehaltene Geld und tat ihr den Gefallen.
Am Bahnhof ging ich zum Infoschalter, weil der Zug, für den ich reserviert hatte, ausfiel. Die etwas kurz angebundene aber freundliche Dame hinter Glas versuchte mir in ihrem süddeutschen Bahn-Dialekt zu erklären, das mein Zug nur ein Teil eines Doppelzugs sei und die andere Hälfte regulär fuhr. An der nächsten Haltestelle in Nürnberg wurde mein Zugteil schließlich angehängt und ich konnte nach einer kurzen Wartezeit am Bahnsteig umsteigen. Dabei traf ich auf eine Mutter mit ihrem etwa 11-jährigen Sohn. Als ich in Kassel-Wilhelmshöhe erneut umsteigen und deutlich länger warten musste, traf ich die beiden bei absolutem Mistwetter in der Raucherecke erneut und wir kamen bei der einen oder anderen Zigarette ins Gespräch. Der Junge war sehr aufgeweckt und entdeckte an irgendeiner Wand einen aufgemalten Regenbogen. Ich zeigte ihm den Regenbogenanhänger an meiner pinkfarbenen Handtasche und er fand's cool. Seine Mutter zeigte viel Geduld mit ihm und beantwortete jede neugierige Frage und so manchen kindischen Kommentar. Es war immer schön, mit toleranten, anständigen und gebildeten Menschen in Kontakt zu kommen.
Nach reichlich Verspätung kam ich um 18:20 in Dortmund an, wo mich meine Frau vom Bahnhof abholte. Später sind wir dann noch zu eatalio gefahren, wo ich von meinen Erlebnissen in Ingolstadt berichtet habe.
Ich hoffe, nächste Jahr wieder die Prout at Work-Konferenz besuchen zu können, wo auch immer sie stattfinden wird.
weiter mit Halloween 2025 (31. Oktober)