Mina K.
Zwischen zwei Welten

Pink Pride Party im Kulturcafé der RUB & mehr

28. November 2025

Bereits Ende 2024 nahm Valentina online über Facebook Kontakt zu mir auf. Sie ist eine Transfrau und hatte mich durch meine Webseite gefunden. Seitdem haben viel miteinander gechattet (z.B. während meines 42. Besuchs im Burgtorclub) und uns so schon mal ein wenig näher kennen gelernt. Nur zu einem persönlichen Treffen ist es fast ein ganzes Jahr lang nicht gekommen. Bis heute.

Wir hatten uns im Kulturcafé der Uni Bochum zur Pink Pride Party mit Tuntenshow verabredet. Ich wusste zwar nicht genau, worauf ich mich da einlasse. Aber dem Anlass entsprechend kleidete ich mich mit einem pinken kurzen Wickelrock über einen schwarzen dünnen Thermostrumpfhose, einem T-Shirt mit dunklem Leopardenmaster und einem pinken Aufdruck "Wild", meinen pinken Kurzblazer, sowie ein Paar schwarze Stiefelletten. Meine pinke Lieblingshandtasche war natürlich auch am Start.

Für die Teilnahme an der Party war es erforderlich, sich in eine Gästeliste eintragen zu lassen. Außerdem wurde die Vorlage eines Lichtbildausweises verlangt, um die Volljährigkeit nachzuweisen, was bei mir in meinem Alter für eine gewisse Erheiterung gesorgt hatte.🔞

Meine Frau fuhr mich netterweise mit dem Auto dorthin. Von der Universitätsstraße bogen wir zu einer Unterführung ab, die unter dem Campus verlief. Meine Frau hielt kurz an, um mich aussteigen zu lassen. Ortsunkundig wie ich war, stieg ich die erstbeste Treppe nach oben und versuchte von dort, das Kulturcafé zu finden. Ich fand es auch recht schnell, doch wie sich herausstellte, war ich am Hintereingang angekommen. Ein junger Mann versuchte zunächst, mir den Weg "außen herum" zum Eingang zu erklären. Doch als er meine fragenden Blicke sah, ließ er mich einfach so herein und bat mich, einmal quer durch den Raum zum Einlass zu gehen.

Ich entdeckte Valentina, die an der Theke stand und begrüßte sie. Aber nur kurz, denn ich musste mich ja noch offiziell beim Einlass melden. Dort bekam ich ohne zu zögern eines dieser typischen Einlassbändchen um das Handgelenk gelegt und einen Gutschein für ein Glas Sekt ausgehändigt. Aber nach meinem Namen oder Ausweis hat mich niemand gefragt. Anscheinend hatte ich die Altersüberprüfung auch so bestanden.😂

An der Garderobe gab ich für einen Euro meinen Mantel ab und ging anschließend zurück zu Valentina, die mir nun auch ihre Partnerin Alexandra vorstellte. Während wir uns unterhielten, löste ich an der Theke meinen Gutschein ein. Dann setzten uns auf eine Bank und setzten unser Gespräch fort.

Zwischendurch schaute ich mich ein wenig um. Es waren für eine Uni-Party naturgemäß fast ausschließlich junge Leute anwesend, die meisten dürften so Mitte 20 gewesen sein. Von "Pink Pride" war allerdings nicht allzu viel zusehen. Die meisten waren in normaler Alltagskleidung dort. Ein paar bärtige Jungs trugen Fummel, oftmals über ihrer Jeans. Das waren wohl die versprochenen "Tunten". Vollblut-Transfrauen wie Valentina und mich gab es sonst keine. Und ich war die einzige in Pink.

Die Show begann mit leichter Verspätung und bestand im Wesentlichen aus diversen Gesangseinlagen und ein wenig Comedy, die sich hauptsächlich gegen die üblichen LGBTQ-Feindbilder richtete, allen voran Donald Trump, Alice Weidel und die AfD. Alles wirkte ein wenig amateurhaft, aber dafür sehr engagiert. Bei einem Quiz gewann ich einen weiteren Sekt-Gutschein für die richtige Antwort auf die Frage, welche die beliebteste Schwulen-Dating-App sei: Grindr. Da Valentina und Alexandra mir ihre Gutscheine ebenfalls überließen, weil beide keinen Alkohol tranken, war ich getränkemäßig vorerst gut versorgt.

Während der Vorführung reduzierten wir unser Gespräch auf ein Minimum, denn wir wollten ja nicht stören. Doch leider nutzten Valentina und Alexandra die Pause kurz vor 22 Uhr, um sich zu verabschieden und nach Hause zu fahren. Das war schade, denn ich hätte mich noch gerne weiter mit ihnen unterhalten. Aber ich wusste ja, dass beiden keine Nachteulen so wie ich bin.🦉

Aber ein paar Dinge konnte ich doch in Erfahrung bringen, zum Beispiel dass Valentina als Musikerin eine langjährige Verbindung zur Uni Bochum und dem Kulturcafé hat. Ich habe ihr auch einiges über mich und noch ein paar Details aus dem Burgtorclub erzählt.

Ich blieb noch ein Weile vor Ort und nutzte die Pause für ein paar kurze Gespräche mit ein paar der "Tunten" und eine Zigarette vor der Tür. Dabei unterhielt ich mich recht lange mit einer jungen Frau, die eine Gästeliste in der Hand hielt. Wir stellten fest, dass ich zweimal gelistet war, einmal als Mina und einmal unter meinem männlichen Namen, wie er in meinem Ausweis stand, den ich ja zur Alterskostrolle mitbringen sollte. Ich glaube, es wir echt Zeit für einen dgti-Ausweis.🪪

Für den zweiten Teil der Show wurden alle Tunten auf die Bühne gebeten. Mit den meisten hatte ich im Verlauf des Abends bereits das eine oder andere Wort gewechselt, also gesellte ich mich mit meinem Becher Sekt in der Hand spontan dazu. Zwei junge Männer hielten im Wechsel eine Lösung. Wenn der eine sprach, sollten wir Tunten uns wie Fische ("Tuntenfische"?🦑🏳️‍🌈) munter durch den Raum bewegen. Wenn der andere sprach, sollten wir in Panik geraten. Leider war die Tonqualität nicht besonders gut und ich konnte das meiste nicht verstehen. Aber ich machte den etwas albernen Spaß trotzdem mit. Letztendlich ging es wohl um Queerfeindlichkeit.

Die Nummer dauerte recht lange und einige meiner Mitfische hatten bereits aufgegeben. Auch im Publikum — der Großteil saß vor der Bühne auf dem Boden — war das Interesse eher verhalten. Ich war dann auch ganz froh darüber, als es vorbei war. Weil ich nicht damit rechnete, dass die versprochene Party noch in Schwung kam, machte ich mich kurz darauf vom Acker. Es war immerhin schon halb zwölf. Ich winkte einigen bekannten Gesichtern zum Abschied zu und ging zur Garderobe, um meinen Mantel abzuholen. Irgendwie hatte ich meine Garderobenmarke verloren und ich musste dem jungen Mann meinen Mantel beschreiben. Nach einigen Fehlschüssen fand er ihn schließlich und ich verließ das Kulturcafé, diesmal durch den Vordereingang, wo ich mich von der freundlichen Türsteherin mit der Gästeliste verabschiedete.

Es waren nur ein paar Schritte zur nahegelegenen U-Bahn-Station, aber es dauerte ein paar Minuten bis zur nächsten in Richtung Bochum Hauptbahnhof. Daher gönnte ich mir einen halben Joint. Außerdem schrieb ich eine Textnachricht an Mary. Vielleicht war sie ja auch gerade in Bochum unterwegs, oder zumindest bereit, zuhause Besuch zu empfangen. Doch sie antwortete leider nicht und so fuhr ich zum Bochumer Hauptbahnhof und ging zum Bahnsteig für den nächsten Regionalexpress nach Dortmund. Im Raucherbereich zündete ich mir eine Zigarette an. Zwei Typen näherten sich und der eine fragte mich nach einer Zigarette, die er sich mit seinem Freund teilen wolle. Ich bot ihnen zwei an und gab ihnen auch Feuer. Wir unterhielten uns bis mein Zug in den Bahnhof einrollte. Die beiden wollten nach Polen, Böller kaufen.

Die weitere Fahrt nach Dortmund verlief ereignislos. Es war für meine Verhältnisse noch früh am Abend und ich wollte noch nicht nach Hause. Für mich gab es daher nur eine Alternative und die hieß natürlich Burgtorclub.

Dort traf ich auf Kellner Christian, der aber gerade auf dem Sprung nach Hause war. Ich hängte meinen Mantel an die Garderobe und setzte mich rechts an die Theke. Mia hatte Thekendienst und Ulla war auch mal wieder da. Sie erzählte, dass sie bis zum Jahresende jeden Freitag hier sei. Ich gab ihnen und mir eine Runde Kurze aus.

Rechts neben mir saß ein älterer Mann, den ich auch schon Dutzende Male her gesehen hatte und der mit dem Personal und Chefin Fine befreundet war. Heute war die Gelegenheit, ihn endlich mal kennen zu lernen. Er hieß Martin und war ein ziemlich ruhiger Typ. Neben ihm saß Volker, der etwas gesprächiger war. Ich quatschte mit den beiden und Volker gab im Laufe des Abends ebenfalls eine Runde für uns sowie Mia und Ulla aus.

Ein bisschen getanzt habe ich an dem Abend auch noch, meistens alleine auf der Tanzfläche. Es war eben "nur" Freitag, da war es immer ein wenig ruhiger.

Und dann war da noch so ein Typ... Er hieß Murat und machte mich an. Ich ging mit ihm in den Keller um eine Zigarette zu rauchen. Da machte er mich noch mehr an. Und was soll ich sagen? Kurz darauf habe ich ihm auf dem Damenklo sitzend einen geblasen. Ich schob mir seinen Schwanz so tief in den Mund, dass ich Schwierigkeiten hatte, meinen Würgereflex zu unterdrücken. Aber ich wollte nun mal Erfahrungen sammeln und machte tapfer weiter. Nach einer Weile brach er einfach ab, verpackte sein Ding wieder in der Hose und verließ ohne ein weiteres Wort die Toilettenkabine. Nachdem ich mich am Waschtisch kurz frisch gemacht hatte, ging ich wieder nach oben. Aber von Murat war nichts zu sehen.

Um kurz vor drei reichte es mir dann auch. Ich verabschiedete mich von Martin und Volker. Mia fragte mich beim Bezahlen, ob ich morgen am Samstag auch käme, was ich mit einem "Vielleicht" beantwortete. Dann ging ich zum Taxistand am Hauptbahnhof und fuhr nach Hause.

Am nächsten Tag erhielt ich eine Textnachricht von Mary mit der Entschuldigung, sie sei gestern früh zu Bett gegangen, aber dafür heute, am Samstagabend im Laufsteg. Der Freitagabend war ja ganz nett, aber irgendwie auch ein bisschen enttäuschend. Daher entschloss ich mich, heute erneut loszuziehen.

Weil ich aber schon eine Geschichte erzählt habe, kommt der zweite Teil ein wenig kompakter daher.😜

Ich trug einen knielangen Fransen-Rock aus silbernen Pailletten und ein schwarzes, langärmeliges Designer-Top. Zuerst war ich 2 Stunden im Burgtorclub und amüsierte mich mit Mandy, Tatjana, Mika, Christian, Dierk und anderen. Auf der Tanzfläche ging es zwischendurch echt heiß her, überall waren Hände und Körper, die sich aneinander rieben.

Dann war ich für knapp drei Stunden im Laufsteg mit Mary, Helge, Ira und Brigitte. Mary hatte sich dort in eine schlanke und hochgewachsene Holländerin verguckt. Ich übernahm die Rolle ihrer Wingwoman, suchte Blickkontakt, sprach die junge Frau an und holte sie an unseren Tisch. Als Mary sich mit ihr unterhielt, half ich als Dolmetscherin aus, denn sie konnte kein Deutsch und Marys Englisch war nicht so gut. Sie hieß Fay und war Flugbegleiterin für KLM. Mary verschwand mit ihr mit ihr aufs Damenklo um auf Tuchfühlung zu gehen und ein wenig herum zu knutschen.

Später kamen Fay und ihre Freundin Leonie noch mit zu Burgtorclub. Es war zwar schon 20 vor Feierabend und die Tür war verschlossen, aber Türsteher Stefan ließ uns noch für einen letzten Absacker hinein und Mia kassierte unsere Bestellung direkt ab. Mandy war bedauerlicherweise schon weg, aber Christian und Dierk und ein paar andere waren noch da. Außerdem saß Jane ein wenig einsam und verloren an der Theke und ich gesellte mich direkt zu ihr.

Um kurz nach fünf mussten wir endgültig gehen. Fay und Leonie verabschiedeten sich auf der Straße von uns, aber Mary machte vorher noch ein paar Fotos. Mary, Helge, Jane und ich gingen dann noch zum Don-Club. Franka legte wieder Depeche Mode auf und ich tanzte mit Jane. Um acht Uhr war Feierabend. Aber das sollte wohl für dieses Wochenende genügen.🥳


Ende ?


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