CSD "ColognePride" Köln (4. - 6. Juli 2026)
Die LGBT*IQ & Friends-Community meines Arbeitgebers RWE ist Mitglied im LGBT+ Netzwerk Rhein-Ruhr, der mit einer Fußgruppe an der ColognePride teil nimmt. Ich hatte mich bereit erklärt, als RWE-Kontaktperson zu fungieren, weil ich ohnehin gerne einmal bei der Parade mitlaufen wollte. Im Vorfeld gab es zwei Online-Meetings mit den Kontaktpersonen der anderen Unternehmen, die ebenfalls dem Netzwerk angehören, um die Einzelheiten des Ablaufs zu besprechen. Beim zweiten Meeting sollte ich außerdem die Anzahl der Personen durchgeben, die mitkommen. Leider war das Interesse in meinem Unternehmen eher mau und ich war zu dem Zeitpunkt die einzige.🤷♀️
Jan vom Rhein-Ruhr-Netzwerk bot uns günstige Zimmer von Samstag bis Montag im Hotel im Leskanpark in Köln-Dellbrück an, die sein Unternehmen Novelis reserviert hatte, die aber nicht abgerufen wurden. Jane und Kathy hatten auch daran Interesse, und so reservierte ich zwei Zimmer. Eine Woche später beim nächsten Besuch im Burgtorclub konnten wir noch Melissa dazugewinnen. In weiser Voraussicht hatte ich mir bereits im Vorfeld den Montag sowie den folgenden Dienstag (zur Erholung) frei genommen.
In der Woche vor der ColognePride meldete sich ein junger Praktikant über meinen LinkedIn-Account bei mir, der Anschluss an unsere firmeninterne Community suchte. Er hieß Hongjia, kam aus China und war trans. Im Unternehmen hatte er noch kein Coming-Out. Wir schrieben uns per WhatsApp und trafen uns an einem Tag auf dem Firmen-Campus für ein langes Gespräch. Dabei konnte ich ihm nicht nur einiges über unsere firmeninternes Netzwerk erzählen, sondern auch spontan für den Kölner CSD begeistern. Er war ganz Feuer und Flamme und wollte am Sonntag ebenfalls an der Parade teilnehmen.🤩
Am Freitag vor dem CSD meldete sich Melissa wieder ab und meinte, sie hätte eine Mandelentzündung. Vielleicht war das auch nur eine Ausrede, aber am Ende hatten wir wieder ein freies und unbezahltes Bett. Doch so kurzfristig fand sich leider niemand, der es haben wollte.😒
Samstag
Am Samstag fuhren Jane, Kathy und ich mit dem Zug nach Köln und bezogen zunächst unsere Hotelzimmer in Dellbrück. Jane und Kathy teilten sich das eine, ich war allein in dem anderen. Wir hielten uns nicht lange auf. Ich zog mich nur kurz Pride-gerecht um und wir machten uns mit der S11 auf den Weg in die Kölner Innenstadt, um zu feiern.🥳
Am
Alter Markt trafen wir auf Lothar, einen lieben Arbeitskollegen aus
rheinischen Braunkohlerevier, zusammen mit seinem Ehemann
Sebastian, sowie Harald, einen Bekannten der beiden. Wir wechselten
ein paar Worte, bevor unsere Gruppen wieder getrennte Wege gingen.
Wir Mädels wollten etwas essen und kehrten bei
LyLy ein.
Später am Heumarkt traf ich Christopher aus Frankfurt, denn ich bei der ColognePride 2024 kennen gelernt hatte und 2025 ebenfalls dort wieder traf. Er hatte seine neu gefundene große Liebe dabei. Wir hatten einen Stehtisch in der Menge und es kamen und gingen immer wieder andere Leute, mit denen wir das eine oder andere Kölsch getrunken haben. Marco, ein anderer guter Kollege, lief mir dort ebenfalls über den Weg. Bis halb drei haben wir dort gefeiert, bevor wir uns auf den Weg zurück zum Hotel machten.
Sonntag
Am Sonntag fand schließlich die Parade statt. Die Fußgruppe des Rhein-Ruhr-Netzwerks hatte die Startnummer 213 von 230 insgesamt, gleich hinter dem Truck von NetCologne. Dementsprechend spät war unser Startfenster für 14:30 bis 15 Uhr angesetzt. Wenigstens konnten wir dadurch in Ruhe ausschlafen und hatten genug Zeit, uns für die Parade fertig zu machen. Wir fuhren mit der S-Bahn zum Bahnhof Köln Messe/Deutz, holten uns dort beim Bäcker ein Frühstück und etwas zu trinken und gingen weiter in Richtung Deutzer Werft, wo unser Aufstellpunkt war.
Weit sind wir jedoch nicht gekommen, als ich unterwegs eine Nachricht von Hongjia bekam, der gerade ebenfalls in Deutz angekommen ist. Wir teilten unseren Standort per WhatsApp und fanden uns schnell. Ich stellte die Teilnehmer meiner kleinen Gruppe einander vor und wir gingen den restlichen Weg gemeinsam.
Es war gar nicht so leicht, unsere Gruppe zu finde, so weit hinten stand sie. Die Parade war längst in vollem Gange, als dort eintrafen, aber immerhin pünktlich. Nicht pünktlich war dagegen die Parade. Unsere Gruppe setzte sich erst nach 16 Uhr in Bewegung für die gut 5½ km lange Strecke. Und das schlimmste daran war, dass wir die ersten 1½ bis 2 km zum eigentlichen Startpunkt an der Deutzer Brücke ohne Musik laufen mussten.
Auf der Brücke machten wir ein paar Fotos mit dem Dom im Hintergrund. Wann immer ich unterwegs jemandem mit einem "Free Hugs"-Schild sah, gingen ich mit offenen Armen auf die Person zu, umarmte sie und wünschte eine "Happy Pride". Ich erklärte Hongjia, was es damit auf sich hatte und nachdem er es ein paar Mal bei mir gesehen hatte, überwand er seine Schüchternheit und tat es ebenfalls ein- oder zweimal.
In der Nähe des Neumarkts sah ich Lothar mit seinen beiden Begleitern am Straßenrand stehen und begrüßte sie herzlich, bevor ich mich wieder in die Parade einreihte. Kurz darauf meinte Kathy, sie müsse zurück zum Hotel, weil sie ihre Tabletten dort vergessen hatte. Jane begleitete sie und ich ging mit Hongjia alleine weiter. Irgendwo auf der Magnusstraße trafen wir dann auf Christopher mit seinem Freund, die ich ebenfalls beide ein letztes Mal an diesem Wochenende knuddelte.
Wir erreichten das Ende der Parade am Kölner Dom gegen halb acht. Die Teilnehmer verstreuten sich von dort in alle Richtungen. Ich ging mit Hongjia am Dom vorbei, von dem er sehr beeindruckt war. Mit seinem Handy machte ich ein paar Bilder von ihm vor der imposanten Kulisse. Dann schlug ich vor, irgendwo eine Pizza zu essen. Hongjia war einverstanden und wir fanden eine kleine Pizzeria namens PianoPiano. Beim Essen unterhielten wir uns weiterhin ausgiebig.
Anschließend wollte er nach Hause fahren, denn er hatte sich nicht wie ich den Montag frei genommen sondern musste früh raus. Ich umarmte ihn zum Abschied und ließ ihn ziehen und spazierte zum Alter Markt und von dort weiter zum Heumarkt, um mir in Ruhe ein paar Stände anzuschauen. Fast zeitgleich erhielt ich von Jane die Nachricht, dass sie und Kathy gerade wieder am Hauptbahnhof angekommen seien. Ich lief ihnen ein Stück entgegen und fand sie recht schnell wieder.
Jetzt hatten die beiden auch Hunger. Wir liefen ein wenig umher und kehrten schließlich im Gilden im Zims ein, der "Heimat kölscher Helden". Ich war satt und trank nur ein paar Kölsch während Jane und Kathy ihren Hunger stillten. Sie waren fast fertig mit Essen, da gesellte sich ein alter Bekannter zu uns, den Jane und ich auf beim CSD in Recklinghausen vor drei Wochen kennen gelernt hatten. Ich wusste nicht einmal mehr, wie er heißt, aber er und Jane hatten damals ihre Telefonnummern ausgetauscht und standen seitdem in Kontakt.
Er wollte anschließend zum Hühnerfranz, wir dagegen zum ColognePride Beach & Village auf dem Elogiusplatz, daher trennten sich unsere Wege. Doch als wir dort ankamen, war gerade Feierabend und man ließ uns nicht mehr hinein. Ich schlug daher vor, ebenfalls zum Hühnerfranz zu gehen, wo ich zur ColognePride 2024 schon einmal war. Die Mädels stimmten zu und wir machten uns auf den Weg.
Am Ziel angekommen stellten wir fest, dass unsere Bekannter schon wieder weg war. Oder vielleicht war er auch gar nicht dort gewesen, wer weiß das schon? Wir setzten uns an einen freien Tisch und ich holte an der paar einen Gin-Tonic für Kathy und zwei Kölsch für Jane und mich. Wir saßen noch nicht lange, da gesellte sich ein Mann arabischer Herkunft zu uns und stellte sich als Khalid vor. Er fing direkt an, mich anzubaggern. Als er merkte, dass er damit nicht weit kam, holte er für uns an der Bar drei Kölsch. Sogleich zeigte ich mich ein wenig kooperativer und ließ mich auf ein Gespräch mit ihm ein, in dem er mir frühzeitig und unverblümt mitteilte, dass er auf Transen stehen würde. Er setzte sich neben mich auf die Bank und ging ein wenig auf Tuchfühlung. Er hatte mit einem Drink bezahlt, also ließ ich ihm das Vergnügen.
Er schlug vor, vor die Tür zu gehen um eine Zigarette zu rauchen, doch ich lehnte ab, weil ich lieber tanzen wollte. Es lief nämlich gerade mein Lieblingssong von der Münchener Freiheit "Ohne dich". Khalid nahm dann Kathy mit zum Rauchen nach draußen und ich genoss den Song auf der Tanzfläche und sang lauthals mit. Als Kathy zurück kam, erzählte sie, dass Khalid sie genauso angemacht hätte und sogar meinte, er schaffe uns auch alle drei.
Etwas später gab Khalid uns noch drei Kurze ("Grüne" = Waldmeister-Likör) aus und kurz darauf noch drei weitere Kölsch. Dann ging ich mit ihm nach draußen für eine Zigarette und er startete seine Anmachversuche erneut. Wir knutschten ein bisschen herum und ich ließ ihn meinen Hintern begrapschen. Aber ich machte ihm auch klar, dass heute nicht mehr passieren wird und ich nur etwas trinken, ein wenig tanzen und einfach einen schönen Abend mit meinen Freundinnen genießen wollte. Er ließ dann auch irgendwann von mir ab und verschwand in die Nacht.
Ich ging wieder hinein, schließlich stand da noch mein Gratis-Kölsch. Außerdem tanzte ich noch mehr. Eine Frau gesellte sich dazu und wir sangen gemeinsam und mit voller Innbrunst mit, als "An Tagen wie diesen" von den Toten Hosen gespielt wurde. Ein Mann, ich glaube es war mit ihr da, filmte uns mit seinem Handy. Als meine Mädels und ich kurz darauf den Laden verließen, ging ich kurz zu der Frau und sagte ihr, dass es mir Spaß gemacht hätte, mit ihr zu tanzen und zu singen. Außerdem fragte ich nach ihrem Namen. Sie hieß Petra. Ich stellte mich als Mina vor, wünschte ihr noch einen schönen Abend und sagte etwas wie: "Wer weiß, vielleicht trifft man sich irgendwann mal wieder?"
Draußen vor der Kneipe überlegten wir kurz, wo wir als nächstes hingehen könnten. Auf der anderen Straßenseite stand eine Gruppe Männer gemischten Alters, die immer wieder zu uns hinüber schauten. Nach einer Weile kam ein Mann in meiner Altersgruppe auf uns zu und meinte: "Guten Abend, die Damen." Dann wandte er sich an Jane und meinte, sein junger Freund da drüben fände sie attraktiv, aber sei aber zu schüchtern sie anzusprechen. Ich meinte zu ihm, er sei ein Postillon d'Amour, was ihn zum Lachen brachte. Für eine mögliche Kontaktaufnahme nannte er uns den Instagram-Namen seines Freundes und verabschiedete sich mit den Worten, sein Job sei erledigt.
Wir drei beäugten den jungen Mann und er war eigentlich ganz niedlich. Jane suchte sogleich nach ihm, doch es gab mehrere mögliche Treffer. Anhand des Profilbildes hatten wir eine Vermutung, wer es sein könnte, waren uns aber nicht ganz sicher. Ich schnappte mir kurzerhand Janes Handy und ging damit zu der Männergruppe. Zu dem älteren sagte ich fröhlich: "Hey, jetzt hab ich deinen Job übernommen." Dann hielt ich dem jungen Mann das Handy vor die Nase und fragte, ob das der richtige Account sei, was er bejahte. Ich bedankte mich, ging zurück zu Jane und gab ihr das Handy zurück.
Sie tippte auf ihrem Handy herum und begann mit der Kontaktaufnahme. Kurze Zeit später traute sich der junge Mann dann doch, auf Jane zuzugehen und sie direkt anzusprechen. Kathy und ich drehten uns diskret zur Seite, um es ihm nicht noch schwerer zu machen. Ich habe noch mitbekommen, dass er aus Berlin kam und bin daher nicht sicher, ob diese Liebe eine Zukunft hat.
Nach dieser Episode wünschten wir den Männern noch einen schönen Abend und gingen weiter, einmal ums Eck zum Rathausglöckchen. An der Theke saß eine alte Bekannte: Norma, die Thekenkraft aus dem Burgtorclub an Donnerstagen und manchmal an Freitagen. Wir gesellten uns dazu und quatschten ein wenig mit ihr. Also, eigentlich redete hauptsächlich ich mit ihr. Unter anderem erzählte sie, dass sich meine "Ziehtochter" Mandy neulich bei ihr vorgestellt hatte und dabei überaus freundlich war.
Gegen ein Uhr nachts mussten wir gehen, weil wir noch die letzte S-Bahn vom Hauptbahnhof nach Dellbrück erwischen wollte. Die nächste würde erst wieder nach vier Uhr fahren und das war uns entschieden zu spät. Wir schafften es aber gerade rechtzeitig zum Bahnsteig und erreichten gut 20 Minuten später unser Hotel.
Montag
Die Rückreise am Montag verlief ohne besondere Zwischenfälle. Wie schon bei der Hinreise am Samstag war ich komplett als Mina zurechtgemacht und mit Minirock, T-Shirt und Sandaletten bekleidet. Am Nachmittag ging ich in dem Aufzug auch voller 🌈Stolz mit meiner Frau auf unsere Stamm-Hundewiese Doghausen und hatte in unserer dortigen Peer-Group ein weiteres kleines Coming-Out.
Ende?