Mina K.
Zwischen zwei Welten

44. Besuch im Burgtorclub

9. August 2025

Heute ist wieder viel passiert, daher diesmal nur eine Kurzfassung.

Es war warm genug für mein kurzes grünes DKNY-Kleid. Mit glattrasierten Beinen, rot lackierten Fußnägeln und goldenen Sandaletten zog ich einige Blicke an, als meine Frau und ich uns um kurz vor neun Uhr abends mit Rabea am Alten Markt in Dortmund trafen, um dort bei 60 Seconds to Napoli zu speisen und schon mal ein wenig vorzuglühen.

Anschließend gingen wir zu Fuß zum Burgtorclub, wo wir zuvor auch unseren Wagen geparkt hatten. Dort tauschte ich meine recht flachen goldenen Sandaletten gegen welche mit Stilettoabsatz.

Im Burgtor trafen wir auf meine neue Freundin Mandy, die ich erst letzte Woche als Philipp kennenlernen durfte. Sie hat sich tatsächlich getraut uns sah total hübsch aus, obwohl ihr Styling noch Luft nach oben hatte. Aber es war ja auch ihr erstes Mal in der Öffentlichkeit. Im Laufe das Abends bekam sie unzählige Komplimente und sie erblühte immer mehr. Sie erinnerte mich an die schüchterne Rabea vor etwa anderthalb Jahren, die sich zur echten Partymaus entwickelt hat und mittlerweile ganz als Frau lebt.

Christian, der sonst immer meinen Namen vergas, begrüßte mich mit einem freudigen "Mina!" Ab da wich mir fast den ganzen Abend kaum von der Seite. Er hatte echt einen Narren an mir gefressen. Sein schielender Mitbewohner Dierk wer auch dort, aber deutlich zurückhaltender. Aber auch er war gut drauf heute.

Ich war gerade auf der Tanzfläche, da erblickte ich Efe und begrüßte ihn. Er gesellte sich zu uns anderen an den Tisch rechts vom Eingang, erzählte von seinem Urlaub in Dubai und zeigte ein paar Fotos. Auf den meisten posierte er mit der Zwei-Daumen-nach-oben-Pose vor diversen Sehenswürdigkeiten. Er fand großen Gefallen an Mandy, die seine Komplimente zunächst dankend annahm. Doch im weiteren Verlauf des Abends wurde er aufdringlicher und körperlicher. Von der Tanzfläche aus bemerkte ich Mandys flehenden Blick, ging sofort zu ihr und fragte, ob sie sich gerade unwohl fühlte. Sie bejahte und ich nahm Efe an die Seite und bat ihn um etwas mehr Zurückhaltung. Er verstand sofort und meinte, er ist ein guter Junge. von da an lies er sie in Ruhe.

Tatjana war die nächste, die wir in unserer Runde aufnahmen. Als wir mal beim Rauchen vor der Tür standen, unterhielten wir uns über unsere Entwicklung als Transpersonen, entdeckten viele Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede. Auch sie lebt die meiste Zeit als Mann und hat sich dennoch die Haar wachsen lassen. Aber während sie nur am Wochenende zu Tatjana wird, habe ich bereits etwas mehr Weiblichkeit in meinem Alltag zugelassen. Einmal kam sie mit einem Typen aus der abschließbaren Kabine auf dem Herrenklo, fuhr sich mit den Fingern über den Mund und meinte: "Ich glaube, das ist doch nichts für mich. Ich steh eben mehr auf Frauen."

Elodie war heute wieder mal außergewöhnlich schick im pink Vintage-Look gekleidet. Bis auf die Laufmasche an ihrem Bein war sie perfekt gestylt. Weil sie zwei Feinstrumpfhosen trug, zog sie die beschädigte aus, was bei näherer Betrachtung ein paar schlanke, aber sehr haarige Männerbeine offenbarte. Ich nahm mir vor, sie demnächst mal darauf anzusprechen. Sie war schließlich diejenige, die mir ständig Styling-Tipps gab, wie etwa auch die Empfehlung, mir eine neue Brille zuzulegen, die ich im April umgesetzt hatte.

Dann war da noch der Fliesenzähler in seinem schwarzweißen Hemd, ich glaube er hieß auch Dirk. Er war ein guter Bekannter von Christian und Dierk und verbrachte ebenfalls einige Zeit bei uns am Tisch. Einmal fragte mich unverblümt, wie viele Fliesen die Tischplatte hatte. Da erinnerte ich mich daran, dass wir ein ähnliches Gespräch bei einem meiner früheren Besuche vor längerer Zeit schon mal hatten.

Georgie, der osteuropäische Tanzboy, der nur gebrochenes Deutsch sprach, entdeckte zuerst Rabea und später auch mich. Wir hatten vor über einem Jahr schon mal das Vergnügen, als er uns intensiv angetanzt hatte. Draußen vor dem Club erzählte er bei einer Zigarette, wie froh er sei, wieder einmal hier sein zu können. Bei der Gelegenheit sagte ich auch Fine kurz hallo. Sie war die ältere Transfrau, die ich vor ein paar Wochen mal an der Theke kurz kennenlernte. Dort war auch Ashley, die mich zur Begrüßung an ihre übergroßen Silikonbrüste drückte. Wie so viele andere Burgtorgäste, wollte auch sie nächste Woche beim CSD in Dortmund dabei sein.

Mit dem netten Stefan, den ich nun auch schon seit einem Jahr kannte, wechselte ich ein paar Worte, als ich an der Theke etwas zu trinken bestellte, weil Kellner Christian mich mal wieder vergessen hatte.

Der arrogante Jan hatte seinen Auftritt, als Christian und ich irgendwann nach vier Uhr den letzten Joint rauchen wollte. Der Türsteher wies uns an, in den Keller zu gehen, da sie jetzt die Eingangstür schließen wollten, um keine weiteren Gäste mehr anzulocken. Als wir da unten standen und in irgendein ein Gespräch vertieft waren, kam Jan daher und meinte keck: "Ihr wisst doch, dass wir sowas hier nicht machen. Wir wollen das hier nicht." Ich zog genüsslich an meinem Joint und fragte nur: "Was denn?" Daraufhin erzählte er was von einer Polizeirazzia, und wenn die das hier bemerken, machen sie den Laden zu. Ich spielte die Türsteher-Karte und Jan stürmte davon, um sich von meiner Aussage zu überzeugen. Kurz darauf kam er zurück und gab großmütig zu, das sei wohl in Ordnung. Tja, so ist er nun mal. Freunde werden wir so schnell wohl nicht.🤷‍♀️😂

Dafür verbindet Mandy und mich jetzt eine echte Freundschaft. Wir stehen per WhatsApp in regelmäßigem Kontakt, schon in der Woche vor diesem Abend und auch danach. Sie hat mehrfach betont, wie dankbar sie mir für alles ist, was ich getan habe. Dabei habe ich bloß meine eigenen Erfahrungen mir ihr geteilt und ihr ein wenig Mut gemacht. Aber manchmal reicht das, um einen Stein in Rollen zu bringen. Nach Rabea mein zweiter missionarischer Erfolg.😇

Alles in allem war es wieder einmal ein überaus gelungener Abend voller Gespräche und Erlebnisse, die so nur im Burgtorclub passieren. Jede kleine Einzelheit kann und will ich hier gar nicht wiedergeben. Und wieder einmal überlege ich, das Schreiben dieser Berichte zu beenden. Meine anfänglichen Unsicherheiten als Transfrau in der Öffentlichkeit habe ich längst überwunden. Ich wurde kein bisschen nervös, als ich auf dem Weg zum Taxistand am Bahnhof von einem Schwarzen jungen Mann angesprochen wurde. Er machte mir Komplimente und fragte nach meiner Telefonnummer. Ich lehnte dankend ab und stöckelte unbeirrt weiter.

Ich hatte Erfahrung mit diesem Typ Mensch und wusste damit umzugehen. Er war nicht der erste seiner Art, der mich auf diese plumpe Art und Weise anmachte. Ein Besuch im Burgtorclub ist immer auch eine Art Charakter- und Sozialstudie, bei der man die verschiedensten Persönlichkeiten aus nächste Nähe und in freier Wildbahn schön beobachten konnte, zumindest für einen Nerd wie mich.🤓


weiter mit 45. Besuch im Burgtorclub (2. August 2025)


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